Waldbrände gefährden nicht nur Menschen und Gebäude in unmittelbarer Nähe der Flammen. Der entstehende Rauch kann ganze Regionen über Tage oder Wochen belasten. Je nach Wind und Wetter verschlechtert sich die Luftqualität auch weit außerhalb der eigentlichen Gefahrenzone.
Viele Menschen ziehen sich während solcher Rauchereignisse in ihre Wohnung zurück und schließen Fenster und Türen. Das ist grundsätzlich sinnvoll, allerdings ist die Luft im Inneren dadurch nicht automatisch unbelastet. Rauchpartikel können durch undichte Fenster, Türen, Lüftungsanlagen und andere Gebäudeöffnungen eindringen. Wie stark die Belastung tatsächlich ist, hängt unter anderem vom Gebäude, der Dauer des Ereignisses und dem Lüftungsverhalten ab.
Eine kontinuierliche Messung der Raumluft hilft dabei, die unsichtbare Belastung zu erkennen und Schutzmaßnahmen gezielt zu steuern.
Welche Schadstoffe enthält Waldbrandrauch?
Waldbrandrauch besteht aus einem komplexen Gemisch von Gasen und Partikeln. Welche Stoffe entstehen, hängt davon ab, welche Vegetation, Gebäude, Fahrzeuge oder Materialien verbrennen und wie vollständig die Verbrennung abläuft.
Für die gesundheitliche Belastung ist vor allem feiner Feinstaub relevant. Besonders kleine Partikel können lange in der Luft bleiben und tief in die Atemwege gelangen. Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet Feinstaub als die größte gesundheitliche Gefahr im Gemisch des Waldbrandrauchs.
Wichtige Messgrößen sind:
- PM1 und PM2,5: sehr kleine Partikel, die tief in die Lunge gelangen können
- PM10: größere einatembare Partikel, darunter Asche und aufgewirbelter Staub
- VOC: flüchtige organische Verbindungen, die bei der Verbrennung unterschiedlicher Materialien freigesetzt werden können
- Kohlenmonoxid: ein giftiges Verbrennungsgas, das insbesondere bei stärkerer Rauchbelastung und in der Nähe von Bränden relevant sein kann
Auch weitere Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe können im Waldbrandrauch vorkommen. Ein einzelnes Raumluftmessgerät kann jedoch nicht das gesamte Stoffgemisch analysieren oder einzelne Verbindungen sicher einer Quelle zuordnen.
Warum ist PM2,5 bei Waldbrandrauch besonders wichtig?
PM2,5 bezeichnet Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser von höchstens 2,5 Mikrometern. Aufgrund ihrer geringen Größe können diese alveolengängigen Partikel tief in die Lunge eindringen. Ein Teil der besonders kleinen Partikel kann sogar in den Blutkreislauf gelangen.
Kurzfristig kann Waldbrandrauch unter anderem Augen und Atemwege reizen, Husten, Kopfschmerzen oder Atembeschwerden auslösen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen, Schwangere sowie Personen mit Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen Vorerkrankungen.
Wie weit kann Waldbrandrauch getragen werden?
Wie weit der Wind die mit Feinstaub belastete Luft trägt, zeigte sich beispielsweise Ende Juni 2019, als auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern) ein Feuer ausbrach. Von den insgesamt 6.200 Hektar Waldfläche waren insgesamt zwischen 1.200 und 1.300 Hektar vom Brand erfasst worden. Durch die überwucherten Waldwege und die Belastung durch alte Munition wurden die Löscharbeiten massiv verzögert. Viele Tage war die Feuerwehr damit beschäftigt, diesen verheerenden Waldbrand einzudämmen. In dieser Zeit stieg durch das Feuer die Feinstaubkonzentration in der Umgebung exorbitant an.
An einigen Tagen trug der Nordwind den Waldbrand-Feinstaubaus dem Gebiet des Waldbrandes bis weit ins Landesinnere hinein. Selbst in Leipzig, circa 300 Kilometer von Lübtheen entfernt, war der Brandgeruchdeutlich wahrzunehmen und sorgte für viele besorgte Anrufe bei der Feuerwehr. Die hohe Feinstaubbelastung konnte auch eindeutig durch den air-Q registriert werden: Bereits in den frühen Morgenstunden des 1. Juli zeichnete der air-Q Werte in den Partikelgrößen PM10 und PM2,5 auf, die die vom Umweltbundesamt (UBA) beziehungsweise von der WHO festgelegten Tagesgrenzwerte von 50 μm/m³ respektive 25 μm/m³ weitüberschritten.
Feinstaub und Asthma bei Kindern: Was Studien zeigen
Wie groß die langfristige Bedeutung von Feinstaub für die Entstehung von Asthma sein kann, zeigt eine im European Respiratory Journal veröffentlichte Studie von Khreis und weiteren Forschenden. Untersucht wurde mithilfe von Bevölkerungs-, Luftqualitäts- und Gesundheitsdaten die Belastung von rund 63,4 Millionen Kindern in 18 europäischen Ländern.
Das Ergebnis der Modellrechnung: Hätten alle untersuchten Länder den damals geltenden WHO-Richtwert für PM2,5 von 10 µg/m³ im Jahresmittel eingehalten, hätten nach Schätzung der Forschenden jährlich rund 66.600 neue Asthmafälle bei Kindern vermieden werden können. Das entsprach etwa elf Prozent der neu auftretenden Fälle. Bei einer Absenkung auf die niedrigsten in den zugrunde liegenden Studien beobachteten PM2,5-Konzentrationen von 1,5µg/m³ wären es rechnerisch rund 190.900 Fälle beziehungsweise 33 Prozentgewesen.
Für Menschen mit bereits bestehendem Asthma bedeutet eine Rauchperiode daher ein besonderes Risiko: Beschwerden können sich verstärken, Medikamente häufiger benötigt werden und im schweren Fall kann eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich werden. Kinder sind zusätzlich empfindlich, weil sich ihre Atemwege und ihr Immunsystem noch entwickeln.
Gelangt Waldbrandrauch trotz geschlossener Fenster ins Haus?
Ja. Selbst bei geschlossenen Fenstern kann ein Teil der Außenluft in das Gebäude gelangen. Die US-Umweltbehörde EPA weist darauf hin, dass die PM2,5-Konzentration in Innenräumen während eines Rauchereignisses ohne Luftreinigung häufig noch einen erheblichen Anteil der Außenbelastung erreicht. Wie gut ein Gebäude schützt, kann sich allerdings stark unterscheiden.
Ältere oder undichte Gebäude lassen in der Regel mehr Außenluft eindringen als gut abgedichtete Gebäude. Auch häufiges Öffnen von Türen, Abluftsysteme und Lüftungsanlagen mit Außenluftzufuhr beeinflussen die Belastung.
Geruch und Sichtbarkeit sind dabei keine zuverlässigenMessgrößen: Raumluft kann bereits belastet sein, bevor deutlicher Brandgeruchwahrgenommen wird. Umgekehrt sagt ein wahrnehmbarer Geruch allein noch nichtsüber die genaue Feinstaubkonzentration aus.

Waldbrandrauch in Innenräumen reduzieren
Wenn es laut den zuständigen Behörden sicher ist, im Gebäude zu bleiben, kann ein möglichst sauber gehaltener Raum die persönliche Belastung verringern. Dafür eignet sich beispielsweise ein Schlafzimmer oder ein anderer Raum, in dem sich die Bewohner während der stärksten Rauchphasen längere Zeitaufhalten können.
Folgende Maßnahmen sind sinnvoll:
1. Fenster und Türen geschlossen halten
Während einer hohen Außenbelastung sollten Fenster und Außentüren möglichst geschlossen bleiben. Türen sollten nur so häufig und so kurz wie nötig geöffnet werden.
Lüftungs- und Klimaanlagen können, sofern technisch vorgesehen und sicher, zeitweise im Umluftbetrieb arbeiten. Welche Einstellung geeignet ist, hängt vom jeweiligen System ab. Dabei sollten die Vorgaben des Herstellers und der zuständigen Behörden beachtet werden.
2. Einen geeigneten Luftreiniger einsetzen
Ein Luftreiniger mit HEPA-Filter kann einen großen Teil der feinen Partikel aus der Raumluft entfernen. Entscheidend ist, dass das Gerät zur Größe des Raumes passt und ausreichend lange betrieben wird.
HEPA-Filter entfernen Partikel, aber nicht automatisch sämtliche gasförmigen Bestandteile des Rauchs. Geräte mit einem zusätzlichen, ausreichend dimensionierten Aktivkohlefilter können bestimmte gasförmige Stoffe reduzieren. Auch sie entfernen jedoch nicht jede mögliche Verbindung.
3. Zusätzliche Partikelquellen vermeiden
Während eines Rauchereignisses sollte die Raumluft nicht durch weitere Quellen belastet werden. Dazu gehören insbesondere:
- Rauchen
- Kerzen und Räucherstäbchen
- Holzöfen und offene Feuerstellen
- intensives Braten oder Grillen
- Sprays und stark lösemittelhaltige Produkte
- Staubsaugen ohne geeigneten HEPA-Filter
Gerade Braten und Kerzen können die Feinstaubwerte kurzfristig so stark erhöhen, dass die Belastung fälschlicherweise allein dem Waldbrand zugeschrieben wird.
4. Erst bei besserer Außenluft lüften
Bleiben Fenster über längere Zeit geschlossen, können CO₂, Luftfeuchtigkeit und andere Innenraumbelastungen steigen. Deshalb ist es wichtig, zu einem geeigneten Zeitpunkt wieder Frischluft hereinzulassen.
Orientieren Sie sich an den Meldungen lokaler Behörden und an verlässlichen Außenluftdaten. Hat sich die Situation verbessert, kann gezieltes Stoßlüften sinnvoll sein. Anschließend lässt sich anhand der Innenraumwerte überprüfen, ob die Feinstaubbelastung niedrig geblieben ist oder erneut angestiegen ist.
Wie hilft der air-Q bei Waldbrandrauch?
Der air-Q überwacht die Luft in Innenräumen kontinuierlich. Je nach Modell erfasst er unter anderem PM1, PM2,5 und PM10 sowie VOC, Kohlenmonoxid, CO₂, Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Dadurch lassen sich wichtige Fragen beantworten:
- Dringt Rauch in das Gebäude ein?
- In welchem Raum ist die Partikelbelastung am niedrigsten?
- Steigen die Werte beim Öffnen von Fenstern oder Türen?
- Wie schnell senkt ein Luftreiniger die Feinstaubkonzentration?
- Bleibt die Raumluft über Nacht geschützt?
- Wann wird eine Lüftung aufgrund steigender CO₂-Werte notwendig?
Die Messwerte werden als zeitlicher Verlauf dargestellt. So sind nicht nur einzelne Momentaufnahmen, sondern auch länger anhaltende Belastungen und kurzfristige Spitzen erkennbar. Bei auffälligen Werten kann der air-Q Warnungen ausgeben.
Über eine Smart-Home-Anbindung kann außerdem beispielsweise ein Luftreiniger automatisch eingeschaltet werden, sobald die Feinstaubbelastung einen zuvor festgelegten Wert überschreitet. Ob die Maßnahme erfolgreich ist, wird anschließend direkt im Messverlauf sichtbar.
Raumluftmessung für Wohnungen, Schulen und Unternehmen
Waldbrandrauch betrifft nicht nur Privathaushalte. Schulen, Pflegeeinrichtungen, Hotels, Büros und öffentliche Gebäude müssen häufig über längere Zeiträume eine möglichst sichere Innenraumumgebung aufrechterhalten.
Mit mehreren vernetzten Messgeräten lässt sich erkennen, welche Gebäudebereiche besonders belastet sind und wo Filterung oder Abdichtung verbessert werden müssen. Verantwortliche können die Wirkung von Lüftungs- und Luftreinigungskonzepten dokumentieren und bei einer erneuten Rauchperiode schneller reagieren.
Fazit: Nicht nur draußen, sondern auch drinnen messen
Während eines Waldbrandes ist der Aufenthalt in Innenräumen häufig die wirksamste Möglichkeit, die persönliche Rauchbelastung zu verringern, sofern keine Evakuierung erforderlich ist. Geschlossene Fenster allein garantieren jedoch keine unbelastete Luft.
Die Kombination aus einem möglichst gut geschützten Raum, geeigneter Luftfilterung, reduzierten Innenraumquellen und kontinuierlicher Messung bietet eine solide Grundlage, um die Belastung zu senken. Der air-Q macht sichtbar, wie viel Rauch tatsächlich in den Innenraum gelangt und ob die getroffenen Maßnahmen wirken.



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